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Völker Südäthiopiens – Die Burni

Die Burni stellen eine nilotische Volksgruppe im Süden Äthiopiens, am Fluss Omo, nahe der sudanesischen Grenze dar. Sie sind in Äthiopien auch noch als Nyangatom oder Burne bekannt.
Die Sprache der Burni ist Nyangatom, welche zu den nilotischen Sprachen gehört.
Als Halbnomaden leben die Burni, genauso wie ihre benachbarten Volksgruppen von Viehzucht und Ackerbau. Angebaut werden Mais, Soja, Tabak und Sorghum.
Auf ihre Zeburinder legen die Burni einen großen kulturellen Wert, außerdem halten sie Kleinvieh und Esel, welche als Lasttiere bei Wanderungen von den Weidegebieten der Regenzeit zu denen der Trockenzeit als Lasttiere dienen.

Die Besiedlungsorte der Burni

Das Gebiet der Burni erstreckt sich vom mittleren Omo-Tal über das Westufer bis hin zum Grenzfluss zum Sudan, dem Kibish. Im Ilemi-Dreieck, in dem die Burni außerdem nomadisieren, treffen sie auf die verbündeten Toposa, aber auch auf die Turkana und Suri, denen sie eher feindlich gesinnt sind.
Wie die Toposa auch, gehören die Burni zur Karamojong-Gruppe. Die Vorläufer der Burni wanderten zusammen mit den Toposa wahrscheinlich um das 18. Jahrhundert aus Karamoja aus, das im heutigen Uganda liegt.
Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten sie das Omo-Tal. Von den Volksgruppen, die dort bereits lebten, wurden die „Neuen“ abschätzig „Nyam-etom“ genannt, was auf Deutsch so viel wie „Elefanten-Esser“ bedeutet. Diesen Ausdruck deuteten die Burni selbst zu „Nyang-atom“ („gelbe Gewehre“) um und behielten diesen Namen bis heute bei.

Die jüngsten Entwicklungen im Leben der Burni

In der Region waren sie ursprünglich eine der schwächeren Gruppen, dennoch gehörten sie zu den ersten Gruppen, die in den 1980er Jahren Pfeil und Bogen und Speere durch AK-47-Gewehre ersetzten. Die Burni gelten als sehr kriegerisch und ihre Beziehungen zu den benachbarten Gruppen der Turkana, Baale, Surma, Hamar, Mursi, Dassanetch und Kara sind eher angespannt und es kommt nicht selten zu Auseinandersetzungen und Konflikten um Diebstähle und knappes Wasser und Land.
Trotz dieser Spannungen gibt es doch sehr viele individuelle Handelsbeziehungen und Freundschaften zwischen den Völkergruppen. So werden beispielsweise Töpferwaren, die die Burni nicht selbst herstellen, von den Karo und Mursi bezogen. Weiterhin sind sie für ihren Gesang und ihre Erzählkunst bekannt.

Um 1900 wurde das Gebiet der Burni von der Armee des Ras Woldegiogis erobert und somit in Äthiopien integriert. Lange Zeit hatte diese Entwicklung keine praktischen Auswirkungen auf das Leben der Burni.
Ethnografische Studien über diese Bevölkerungsgruppe wurden in den 1960er Jahren durchgeführt und ihre Zahl wurde damals auf etwa 5.000 geschätzt. Heutige Schätzungen gehen von einer deutlich größeren Zahl aus; 2007 wurden bei Volkszählungen in Äthiopien sogar mehr als 25.000 Personen als Burni registriert. Der Grund für das doch sehr starke Bevölkerungswachstum ist eine kirchliche schwedische Hilfsorganisation, welche den Burni bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts Gesundheitsversorgung und diverse Hilfsgüter bot.
Die Burni haben seit den 1990er Jahren die Surma nach Norden verdrängt. Sie schließen sich in jüngerer Zeit vermehrt Pfingstkirchen an und sind zudem wirtschaftlich und politisch stetig in die „Regionen der südlichen Nationen, Völker und Nationalitäten“ eingebunden.

Wie ist das Zusammenleben der Burni organisiert?

Die Burni sind in etwa 20 Clans organisiert, denen sie über die väterliche Abstammung angehören. Dennoch sind territoriale Gruppen als politische Einheiten am wichtigsten für die Burni. Diese Einheiten tragen Namen wie „Flamingos“ oder „Störche“, aber auch Namen von bestimmten Volksgruppen, so zum Beispiel „Kumam“.
Des Weiteren besteht bei den Burni ein System von Altersklassen, welches sich von dem der Topasa unterscheidet. So folgten auf die Gründergeneration die „Wildhunde“, „Zebras“ und anschließend die „Schildkröten“ und die „Berge“. Die noch heute lebenden Generationen sind die der „Elefanten“, „Straußen“, „Antilopen“ und die der „Büffel“. Die jüngste Generation der Burni besitzt noch keine eigene Bezeichnung.