Arbore (auch Erbore oder Irobre)
Lebensraum
Im äußersten Südwesten Äthiopiens, dem ostafrikanischen
Grabenbruch (Great Rift Valley), liegt das Land der Arbore. In
jenem Gebiet, wo sich vermutlich die ersten Menschen von den
Menschenaffen getrennt haben. Die Arbore sind eine
Bevölkerungsgruppe mit geschätzten 3.000 bis 4.000 Menschen,
die die Fähigkeit besitzen, sich extremen Umweltbedingungen
anzupassen. Diese Eigenschaft unterscheidet sie maßgeblich von
anderen Gruppen und hat sie lange überleben lassen. Ihre
Sprache gehört zu den Omo-Tana-Sprachen, einer Untergruppe der
kuschitischen Sprachen. Sie leben in den vier Dörfern Murale,
Eegude, Kulam und Gandarab, wovon jedes Dorf von einem politischen
und religiösen Führer geleitet wird, der gewählt wird. Um den
zentralen Dorfplatz (naab) ordnen sich in einem Kreis alle Hütten
der Clans. Die gesamte Gesellschaft der Arbore ist in 10 Clans
gegliedert und clanübergreifend gibt es ein System von
Generationsklassen. Diese Generationsklassen (herr) umfassen vier
Altersklassen (jim) und der Altersunterschied zwischen deren
Angehörigen beträgt maximal neun Jahre. Aufgrund der Zugehörigkeit
zu einem Clan, einer Alters- oder Generationsklasse sowie einer
Heiratsklasse (luba) ergeben sich bestimmte Heiratsnormen, Gebote
und Verbote, aber auch allgemeine Verhaltensregeln.
Tägliche Nahrung
Die Hauptnahrungsquelle der Arbore ist Sorghum, eine Hirseart.
Es gibt vier Hauptsorten, die sich in Farbe, Geschmack, Größe
und damit in ihrer Verwendung unterscheiden. Jährlich
entstehen aber auch immer wieder zufällig Subvarianten auf den
Feldern einer Familie. Wenn diese Variante qualitativ sehr gut
ist, wird sie weitergezüchtet und verbreitet. Auf speziellen
Plattformen innerhalb der Anbaufelder, muss die Hirse von den
Kindern und Jugendlichen der Arbore vor hungrigen
Vogelschwärmen geschützt werden. Aus Hirse bereiten die Arbore
dann die beliebten gedünsteten Hirseröllchen oder auch
Hirsebrot zu.
Zudem bauen Sie aber auch Mais, Hülsenfrüchte und Kürbisse an. Der
ganze Stolz und Sinnbild für Reichtum sind aber ihre Rinder, die
jedoch vorwiegend wegen ihrer Milch und ihres Blutes genutzt
werden. Fleisch nutzen die Arbore ausschließlich von Ziegen und
Schafen. Echter Kaffee ist mittlerweile für sie etwas besonders
geworden, da durch Kriege Handelswege verlorengingen und die
Arbore insgesamt ärmer geworden sind.
Arbeitsaufteilung
Jahrhundertealte Regeln bestimmen das gesamte Leben und
Alltagsabläufe der Arbore. Jedes Mitglied der Gesellschaft hat
seinen festen Platz, der ihnen von Geburt an durch ihr Geschlecht
bestimmt ist. Spielerisch wachsen die Kinder in ihre Tätigkeiten
hinein, wobei die Tätigkeitsfelder nach Jungen und Mädchen
getrennt sind. Die Jungen üben schießen, messen ihre Kräfte und
ihre Schnelligkeit, während die Mädchen im Haushalt helfen und
Hirse mahlen, Wasser holen, Essen kochen oder für die
Kinderbetreuung verantwortlich sind. Die alltägliche Arbeit wird
von den Frauen gemeistert und für den Schutz der Familie und der
gesamten ethnischen Gruppe sind die Männer verantwortlich. Nur
während der Erntezeit üben die weiblichen und männlichen
Mitglieder der Arbore eine gemeinsame Tätigkeit aus. Bei der Saat
und der Ernte des Sorghums gibt es eine sehr eng bemessene
Zeitspanne, sodass hier jeder mithelfen muss und alle gemeinsam
arbeiten.
Gesellschaftliches Vergnügen
Neben ihrem harten Arbeitsalltag bewahrt sich die Familie aber das
Gefühl der Geborgenheit und des Zusammenhalts. Abends sitzt man
zusammen und erzählt vom Tag, die schon älteren Jugendlichen
ziehen von Hütte zu Hütte und besuchen Freunde und Verwandte.
Etwas alltägliches aber auch ganz Besonderes sind die Tanzabende.
Die Arbore tanzen mit Beginn der Ernte, bei Hochzeiten, aber auch
bei Beerdigungen, nur das Rasseln ihrer Fußringe und das Klatschen
geben den Rhythmus an. Die Tänze werden von Vorsängern und
Vortänzern begleitet. Für unverheiratete Jungen und Mädchen sind
die Tanznächte auf dem Dorfplatz die einzige Möglichkeit offen
Zärtlichkeiten auszutauschen. Die Mädchen schmücken sich mit
bunten Ketten und reiben sich mit Butter ein, um für die Jungen
attraktiv zu sein. Bei einer Hochzeit wird die Braut von den
verheirateten Frauen eines Clans dadurch verabschiedet, dass diese
mit Knüppeln dem neuen Clan drohen, ihr Kind ja gut zu behandeln.
Während die Tänze für Unverheiratete und Brautpaare etwas
anzüglich erscheinen, mit geschwungenen Hüften und zweideutigen
Gesten, sind hingegen die dargebotenen Tänze bei einer Beerdigung
langsam und dem Status und Alter der Tanzenden angemessen.