Völker Südäthiopiens – Die Bodi
Der Volksstamm der Bodi oder auch Me'en Tribe in Südäthiopien hat
ca. 54000 Mitglieder, von denen aber einige auch im Sudan leben.
Die Religion der Bodi ist der Animismus. Die äthiopische
Bevölkerung der Bodi lebt im Hoch- und Tiefland von
Südwest-Äthiopien.
Geschichte der Bodi
Die Me'en kommen wahrscheinlich ursprünglich aus dem Südsudan und
zogen dann nach Südwest-Äthiopien. Die Legende der Bodi besagt
jedoch, dass der Stamm aus der Gegend in der Nähe des Flusses Omo
komme, wo seine Vorfahren aus einem Loch im Boden gestiegen
seien.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurden große Zahlen der Me'en von den
übrigen Hochland-Bewohnern versklavt. Sie hatten den Ruf, gute
Kämpfer zu sein und konnten so auch den staatlichen Truppen von
Amhara starken Widerstand leisten.
Heutzutage leben die Me'en auch nicht in Frieden mit den
Nachbarstämmen, sondern sind regelmäßig in Gefechte mit den Tirma
und den Chai. Oft geht es dabei um Land und bei Beendigung der
Kleinkriege gibt es immer einige Tote zu beklagen. Mit den Dime
dagegen, die im Osten der Me'en leben, haben sie eine ziemlich
friedliche Beziehung.
Religion und Identität
Die Bodi sind größtenteils Bauern und Hirten. Sie sind völlig
selbst-genügsam und produzieren nichts, was sie nicht sofort
verwerten können. Sie ängstigen sich vor Geistern, die nach ihrem
Glauben in den Flüssen und Wäldern des Gebietes leben. Sie
glauben, dass Menschen mit diesen Geistern kommunizieren müssten,
um Unglücke zu vermeiden. Der höchste Gott für die Bodi ist der
Himmelsgott Tuma. Dieser habe sie geschaffen und ist für Regen und
Fruchtbarkeit zuständig.
Kleidung und Nahrung
Die Me'en leben in kleinen Hütten in ländlichen Gegenden. Ihre
Behausungen sind meist aus Stroh und Gras gebaut. Ihre Kleidung
besteht aus Kuh- oder Ziegenleder, es ist aber auch Importkleidung
vorhanden. Frauen tragen auch Schmuck, vor allem Armbänder.
Das Grundnahrungsmittel der Bodi ist Mais. Außerdem bauen sie auch
t'eff an (eine äthiopische Getreidesorte), Kohl, Bohnen, Erbsen,
Paprika, Zuckerrohr und Tabak. Da sie keinen Zugang zu
Feldmaschinen haben, müssen sie die Bestellung des Feldes und die
Ernte mit Pferden und Maultieren bewältigen. Zusätzlich zum Anbau
jagen und sammeln sie und handeln mit Antilopen-, Büffel- und
Leopardenhaut.
Wasser wird vor dem Gebrauch nicht gekocht, denn da es aus den
Quellen im Hochland stammt, ist es meist sehr sauber. Latrinen
existieren nicht.
Sitten und Bräuche
Männer der Me'en können, je nachdem wie wohlhabend sie sind, mehr
als 10 Frauen heiraten. Die meisten haben jedoch nur eine bis drei
Frauen. Die Rolle der Frau besteht im Bepflanzen der Felder,
Kochen, Wasser holen, Kinder versorgen und Putzen. Sie stellen
auch ihre eigenen Gefäße her.
Die Bodi haben auch ihre eigene Musik und ihren eigenen Tanzstil,
der gulay genannt wird. Die Gulay sind Lieder über Liebe, gute
Ernte, Reichtum, Vieh und Manneskraft. Während der
Tanzveranstaltungen wird viel Bier konsumiert, welches die Bodi
selbst brauen.
Wenn ein Mitglied des Stammes stirbt, wird eine mehrtägige
Beerdigung ausgerichtet. Dazu wird Vieh geschlachtet und aus den
Eingeweiden gelesen. Die Leiche wird dann in Leder eingewickelt
und begraben.