Das Volk der Karo
Das Volk der Karo (auch Kara) Das Volk der Karo (oder auch
Kara genannt) ist im afrikanischen Staat Äthiopien beheimatet
und weist seit der letzten offiziellen Zählung in den Jahren
2005 und 2006 eine Bevölkerungsanzahl von in etwa 1400
Angehörigen auf. Ihr Siedlungsraum befindet sich am Omo-Fluss,
in der „Region der südlichen Nationen, Nationalitäten und
Völker“ im Südwesten des Landes. Ihr Lebensraum ist
abgeschieden und von der Moderne weitgehend unberührt. Häufig
werden die im selben Gebiet lebenden Völker wie die Bogudo,
Gomba und andere Kleinstgruppen, ebenfalls als „Karo“
bezeichnet. Diese unterscheiden sich jedoch in kultureller
Hinsicht von den eigentlichen Karos des Omo-Flusses.
Die Sprache der Karo nennt sich „Kar'appo“ (nach der Volksgruppe
auch einfach „Kara“ genannt) und bedeutet wörtlich übersetzt
„Sprache bzw. Mund der Kara“. Sie gehört zu den südomotischen
Sprachen und ist mit den Sprachen benachbarter Volksgruppen wie
den Hamar, den Banna und Bashada verwandt. Sie unterscheidet sich
nur in den vielen Lehnwörtern von den anderen Sprachen des
Hamar-Banna-Bashada-Clusters. Des Weiteren sind die Karo auch
ethnisch mit dem Nachbarvolk Hamar verwandt und teilen eine
ähnliche Kultur, welche sich nicht nur in sehr ähnlicher Sprache,
sondern auch in Riten, Gebräuchen und sogar der Kleidung äußert.
Beide praktizieren auch dasselbe Initiationsritual, welches
„Pilla“ oder auch „Bula“ genannt wird und so viel wie „Sprung über
die Rinder“ bedeutet. Dabei wird bei beiden Volksgruppen der
Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter markiert. Der
Unterschied bei den Karo liegt jedoch darin, dass nur vier
Versuche gestattet werden. Eine Vermischung mit dem Volk der Hamar
durch Heirat und Familienbildung ist aufgrund dieser zahlreichen
Ähnlichkeiten oft der Fall.
Gesellschaft und Kultur der Karo
Der Glaube der Karo ist den traditionellen Religionen
zuzuordnen. Typisch für diese Bevölkerungsgruppe ist unter
anderem das kunstvolle Frisieren der Haare, das Praktizieren
von Narbentätowierungen und das Bemalen des Körpers mit
Naturfarben. Letzteres symbolisiert durch bestimmte Muster,
dass der Träger tapfer war und einen Feind, Löwen oder
Leoparden getötet hat. Auch das Bemalen des Körpers mit Kreide
ist für das Volk der Karo ein typisches Merkmal. Diese
Bemalungen, Tätowierungen, so wie der exotische Schmuck der
Frauen (meist aus allen in der Gegend wachsenden Früchten und
Pflanzen kombiniert), haben ihre eigenen und nur in der
Volksgruppe verankerten Bedeutungen und gehören zum
alltäglichen Leben des Stammes.
Die Dörfer der Karo befinden sich meist auf einer Art Plateau über
dem Omo-Fluss, ihre Behausungen sind aus Gräsern errichtet, haben
tiefe Eingänge und weisen in der Form Ähnlichkeiten zu Iglus auf.
Ernte und andere Vorräte werden zum Schutz vor Viehzeug und Regen
in korbähnlichen Vorratsspeichern auf Stützen hochgestellt und
aufbewahrt.
Wirtschaft der Karo
Fernab jeder Zivilisation wirtschaftet das Volk der Karo als
Selbstversorger. Als Subsistenzbauern betreiben sie in der
trockenen Gegend des Omo-Flusses Ackerbau an den Ufern und bauen
großflächig Sorghum (eine Art von Süßgräsern), sowie Bohnen und
Mais an. Aufgrund der besonders trockenen Region, sind die Karo
sowohl für den Ackerbau als auch für den Sorghum-Anbau auf die
jährliche Überschwemmung des Omo-Flusses angewiesen. Ein weiterer
wichtiger Bestandteil ihrer Wirtschaft ist die ausgedehnte
Viehhaltung. Die Viehhaltung der Karo beschränkt sich auf kleines
Vieh, da die Tsetsefliege in der Region ein verbreitetes Problem
darstellt und sich überwiegend vom Blut großer Wirbeltiere
ernährt.
Eine weitere Bedrohung für das Vieh stellen die Entwicklungen in
jüngerer Zeit dar, seit dem überall im Grenzgebiet die Verbreitung
von Feuerwaffen floriert und sich Eindringlinge (teilweise auch
aus dem Sudan) an den Viehbeständen der Karo vergreifen. Was dazu
geführt hat, dass sich nun auch die Karo mit Feuerwaffen gegen die
Viehdiebe verteidigen müssen. Das immer häufiger werdende
Feuerwaffenproblem in diesem Gebiet gefährdet darüber hinaus auch
die Ethnie der Karo, da es sich dabei um eine zahlenmäßig kleine
Volksgruppe handelt. Um dem vorzubeugen, hat das Volk der Karo mit
allen größeren Volksgruppen in der Umgebung Frieden geschlossen.